Dauernd neue Töne
Nach vier Wochen High-Speed Anschluß an das Internet
eine kleine Bestandsaufnahme von einem Normal-User
Wien, im Oktober MCMXCIX
1. Einleitung
Seit bald zwei Jahren bieten in mehreren Städten Österreichs Cable Gesellschaften wie Telekabel/TeleWeb neben Kabelfernsehen auch Voice-Telefon und High-Speed Internetzugang über große europäische Broadband-Provider wie chello an. Ich bin jetzt seit vier Wochen Subscriber und werde versuchen, einen möglichst objektiven Situationsbericht zu erstatten. Falls es sich manchmal wie Werbung liest, bitte ich das zu entschuldigen, - ich kann es kaum verhindern. Hin und wieder geht halt die Begeisterung mit mir durch. Aber ich möchte trotzdem an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, daß dieser Artikel keine bezahlte oder wie auch immer geartete Promotion für die erwähnten Firmen und Gesellschaften ist.
Vielmehr möchte ich Zeitgenossen vor derselben Torheit bewahren, wie sie mir widerfuhr.
Der Vertreter der Cable Gesellschaft hatte nämlich schon vor anderthalb Jahren an meine Wohnungstür geklopft, um mir Cable Internet anzubieten. Vielleicht hatte ich aber damals auch nicht ganz unrecht, - die gröbsten Anfangsschwierigkeiten scheinen erst seit einiger Zeit weitgehend behoben zu sein. Da muß ich chello Respekt zollen, gerade jetzt kommen sehr viele Kunden aufgrund einer Marketingaktion dazu (die Anschlußgebühr von ATS 1.500,--/ca. DM 211,--; Euro 108,--; US$ 125.00 entfällt bis Mitte November 1999); mein Cable-Internetanschluß funktioniert hervorragend, vor allem, wenn ich ihn mit den Zuständen von früher vergleiche, als ich drei Jahre lang - solange kenne ich das Internet - mit Verbindungen, die das analoge Modem über die Telefonleitung der Post herstellte, zu kämpfen hatte.
Seitdem er jedenfalls damals an die Tür klopfte, habe ich ein Vielfaches von dem, was der gesamte Vollzugang pauschal bei Telekabel gekostet hätte, alleine an Online-Gebühren ausgegeben, welche die Telekom für die Benützung der Telefonleitung verrechnet. Kaum jemand, der das Internet zu mehr nutzen will als drei eMails täglich zu verschicken, hat in Österreich die Möglichkeit, diese exorbitanten Telefongebühren zu umgehen. Ein "Telefon-ISP", also einer der Dutzenden kleinen und mittleren Service Provider, die ihren Zugang über die Telefonleitung freischalten, berechnet in Österreich für einen "normalen, unbeschränkten" Vollzugang zwischen 99,-- und 700,-- Schilling/ca. DM 15,--/100,--; Euro 7,80/51,--; US$ 8.00/60.00 pro Monat; - die kamen also bisher für mich noch zur Telefonrechnung hinzu. Die pauschale Gebühr für den Kabel-Internetanschluß bei chello kostet mich pro Monat heute ATS 600,--/ca. DM 85,--; Euro 43,--; US$ 50.00, als einziger weiterer Kostenpunkt kommt noch die einmalige Kaution (ATS 1.000,--/ca. DM 140,--; Euro 72,--; US$ 84.00) für das Cable Modem dazu. Es fallen keine Telefongebühren an und derzeit auch keine Anschlußgebühren.
Ganz abgesehen von der unendlich gesteigerten Bequemlichkeit: Du bootest die Kiste und bist online, bis Du sie wieder abstellst, - falls überhaupt. Der neue Netscape-Browser ist - samt aller Zusatzmodule und Plug-Ins - komplett downgeloadet und bereit für die Installation, noch bevor Du vom Pinkeln zurückgekehrt bist. Dieses Service steht Dir jederzeit zur Verfügung. Keine umständliche DFÜ-Verbindung mehr notwendig.
2. The Cable Guy is ringing
Die Anschluß-Prozedur verlief unerwartet unproblematisch. Ein Mädelchen von zwanzig Jahren kam mit dem Fahrrad, verlegte Kabel, installierte Modem, LAN-Netzwerkkarte und behob sogar einen komplizierten Ressourcenkonflikt über das Bios, daß ich nur so staunte. Nach einer Stunde war alles erledigt. Sie verdient (nach eigenen Angaben) übrigens zwischen 30.000,-- und 40.000,-- Schilling (ca. DM 4.300,--/5.700,--; Euro 2.200,--/2.914; US$ 2,500.00/3,300.00) netto pro Monat.
Es gab dann anfangs ein kleines Problem mit der Weiterleitung meiner eMails vom GMX-Account (obwohl ich dort alles richtig geändert hatte). Ich rief beim TeleWeb-Helpdesk an (drei Minuten Warteschleife) und machte dort - höflich, aber bestimmt - ein wenig Dampf. - "Wir kümmern uns." (Obwohl es Punkt 20 Uhr war.) Und siehe da: Um 20 Uhr 15 trudelten plötzlich auf einmal alle angesammelten eMails ein.
Was heißt trudelten?
Sie schlugen ein wie der Blitz!
Das Programm namens VisualRoute zeigt zwischen mir und dem Mailserver 1-2 (selten 3-4) Millisekunden Delay über 2 Hops. Die fünfzehn eMails waren schneller im Ansichtsfenster, als ich die Maustaste vom "Check for New Email"-Knopf loslassen konnte.
3. Das Verbindungs-Roulette
oder
Als man noch in bps rechneteEs ist noch nicht allzu lange her, darum habe ich dieses Theater noch gut in Erinnerung. Es ging darum, mit meinem analogen Modem eine Verbindung über die Telefonleitung zum Internet herzustellen, um bei Nacht und Nebel - wenn die Online-Telefongebühren ein bißchen ermäßigt sind - wie so ein lichtscheues Gesindel drei oder vier eMails abzuschicken, mehr konnte man sich ja nicht leisten:
Klick auf Verbinden mit....
Modem: "Piep, piep, krächz, krächz, klicker, klacker, sprotz!"
Nervöses Blinken sämtlicher Leuchtdioden.
Wählvorgang...
25 Sekunden lang, mit Unterbrechungen.
Währenddessen geht zum Trost die Light-Show der Leuchtdioden und das Gekrächze und Gepiepe weiter, damit einem nicht langweilig wird.
Schließlich: Benutzername und Kennwort werden überprüft.............
Nochmal 15 Sekunden, pro Pünktchen eine. Das Krächzen verstummt.
Modem: "KLACK!"
Der angewählte Computer reagiert nicht. Wiederholen Sie den Vorgang später. OK
Gerade eben 6 Minuten Online-Zeit weggeschmissen (Telekom-Takt).
Das Ganze also ein weiteres Mal. Warum nicht? Schließlich leben wir ja ewig!
Also OK (?) und wieder von vorne.
Siehe bitte oben, ab: Klick auf Verbinden mit....
Einen oder zwei Versuche später, nach heftigem Geklicke, Gekrächze und Geblinke: Wackelige Connection established at 33.000 bps Telekom-proof. Toll. Wozu habe ich ein 3.000 Schilling V.90-Modem?
Download könnte eigentlich losgehen. Kaum zu glauben.
Oder canceln wir besser die Verbindung, vielleicht kriegen wir bei einem vierten oder fünften Versuch ja eine bessere?
Vielleicht sogar eine mit 48.000 bps?
Vielleicht aber auch gar keine mehr bis morgen?
Oder vielleicht besser schlafen gehen oder fernsehen?
Nach einer guten Stunde jedenfalls, kurz, bevor die paar Megabytes vollständig da sind (während dem Download den Computer am besten nicht berühren):
Modem: "KLACK!"
Connection unexpectedly closed by XY, dem kleinen Netz-Troll.
Der Provider sagt, die Telekom sei schuld; die Telekom sagt, der Provider sei schuld.
Und das ganze bis zu zehnmal täglich!
Das ist jetzt keine vier Wochen her. Dazu muß gesagt werden, daß die meisten Internet User noch über Modems einwählen, die wesentlich langsamer sind (14.400er oder 28.800er). Heute kriege ich auf der Stelle eine Connection zustande, die mir den Up- und Download von Dateien mit bis zu 7 Mbps gestattet, würde das Cable Modem nicht auf 300-400 kbps drosseln. 24 Stunden pro Tag&Nacht. Ohne einen einzigen Groschen Online-Gebühren auf der Telefonrechnung!
Weil ich das selbst nicht ganz glauben kann, kündige ich meinen Telefonanschluß bei der Post erst später, weil ich mir diese letzte Rechnung voller Genugtuung aufheben, scannen, einrahmen und veröffentlichen will. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie mir unsere liebe Post - als ich noch Schüler und Student war - wegen fünfunddreißig schuldig gebliebener Schillinge das Telefon absperrte. Für Anrufer peinlicherweise erkennbar, da bei mir ein Dauer-Besetztzeichen erklang; bei besorgter Nachfrage bekam er von der Störungsmeldestelle frank und frei erklärt, der Teilnehmer habe wahrscheinlich seine Telefonrechnung nicht bezahlt. - "Genaueres dürfen wir Ihnen leider nicht sagen." Alle paar Tage schickten sie mir Mahnungen zu je fünfzig Schilling Mahngebühr. Erst nach Überweisung von mehreren hundert Schilling Wiedereinschaltgebühr samt der offenen Beträge und zahlreichen Bitt- und Bettelaktionen meinerseits konnten sie sich zur Lieferung des lebensrettenden Freizeichens allenthalben gnädigst entschließen. Ein bißchen Rache spielt da schon eine Rolle. Ich gebe das gerne zu.
Das teure Telekom-Mobiltelefon wird ebenfalls abgemeldet.
Seit ich über das Cable online bin, habe ich die DFÜ-Verbindung und das alte, supermoderne V.90 Analog-Modem kein einziges Mal mehr bemühen müssen, obwohl mein Account beim alten Telefon-Provider bis Ende Dezember freigeschaltet und bezahlt ist; soviel zum Thema Zuverlässigkeit von Cable Modem Internet. Das alte, supermoderne Modem tut noch prächtige Dienste beim Faxen und beim automatischen Beantworten der Anrufe, die meinen Anschluß erreichen. Es ist wirklich angenehm, daß dieser Anschluß jetzt immer frei ist, während der PC hier durchwegs online ist.
4. Hast Du Töne?
Wenn Simson Garfinkel in seinem ausgezeichneten Artikel Cable Modems oder DSL, - was ist besser?, der vom amerikanischen "Wired"-Magazin empfohlen wird, schreibt, das Verhalten im Internet ändere sich durch eine Cable Connection vollständig, so kann ich das nur bestätigen und bekräftigen.
Wozu der Griff zu den bäumemordenden, schweren Telefonbüchern, wenn mich ein Klick auf das Online-Telefonbuch und die Eingabe des Namens in Sekunden - bei weitem aktueller als jede Telefonbuch-CD-ROM - zum erwünschten Ergebnis bringt? Landesweit! Aber bitte nur, wenn ich vorher nicht eine minutenlange Schlacht ausfechten muß, um eine einigermaßen brauchbare Leitung zu bekommen, und solange ich nicht diese unerhörte 6-Minuten-Taktabrechnung (für Online-Verbindungen) der "Post und Telekom Austria" im Nacken habe. Meine letzten drei dicken Telefonbücher (nur für Wien) werde ich aufheben und nur noch für Leibesübungen verwenden - und um die selbstbedruckten Etiketten auf meine CD-R(W)s zu pressen.
Aber was kann man noch mit seinem High-Speed Cable-Anschluß tun, außer Telefonbuch zu lesen?
It rocks:
NetRadio, Ambient
NetRadio, DJ Mix
NetRadio, Trance-Acid
...und Dutzende weitere Kanäle alleine für diese speziellen Musikrichtungen...
...live...
...ohne Werbung...
...rund um die Uhr...
...insgesamt Tausende Kanäle, für jeden etwas dabei...
...dauernd neue Töne...
(RealPlayer muß installiert sein.)Lieber das alles ein wenig komprimiert in Mono als Mainstream und Verkehrsdurchsagen in Stereo. Läuft bei mir Tag und Nacht im Hintergrund, daneben wird wie wild via ftp, http und nntp down- und upgeloadet. Streaming mp3 in HiFi-Stereo klingt zwar noch besser, es kann da aber schon mal vorkommen, daß es Aussetzer gibt, vor allem, wenn der Server in Übersee steht.
Oder doch lieber Fernsehen? Bitte sehr:
Ausführliche Reportagen von der COMDEX, der größten Computerfachmesse der Welt in Las Vegas.
Windows Media Player 6.4 muß installiert sein. Auf den Button "VStream" rechts auf der Website klicken.
Schon geht's los.Hier kann man live beobachten, was das Wort Informationsvorsprung bedeutet: Netz- und Software-Gurus halten höchst interessante und zum Teil recht humorvolle Vorträge über Gegenwart und Zukunft der Branche. "Live"-Videostream, eine moderne Graphikkarte der Mittelklasse bringt mühelos ein ziemlich ruckelfreies und einigermaßen scharfes Vollbild zustande, der Ton ist lippensynchron und ausgezeichnet verständlich. Die Beiträge sind dank multimedialer Unterstützung - wie im TV ja schon seit jeher üblich - auch für "Computer-Normaluser" sehr gut zu begreifen.
Zu wissenschaftlich? Also noch etwas für die zahlreichen Anhänger des Musik-Mainstreams:
Amerikas neuester Hit "Power Windows" von John Barry.
(Klingt wie die Heulsuse Elton John mit Gitarre statt Klavier.)
Hier jedenfalls das Video für den Media Player:
in mp3-Qualität Stereo-Ton, oder mono.Zu guten Zeiten (um 4 Uhr früh) kriege ich sogar die Stereo-Version ruckelfrei rein und tu' mit dem Internet fernsehen, übrigens gebühren- und werbefrei. Hätte ewig warten können, bis bei uns im TV solche ausführlichen Infos in "Modern Times" oder der "Computershow" gebracht werden. Es gibt noch Hunderte solcher Reportagen und Videos, bald werden es Tausende sein. Internet goes TV. Na endlich. Jedem sein eigener Fernsehsender. Kommt zwar derzeit noch nicht an PAL-Qualität heran, aber die Auswahl ist es, was entscheident ist.
5. News im High-Speed Usenet
Ich benütze sehr gerne und intensiv das allgemein unterschätzte Usenet. Das Usenet ist Teil des WWW, so wie zum Beispiel eMail oder die allseits beliebten Webseiten (wie diese hier). Leider wird das Usenet nur von etwa fünf bis zehn Prozent der Internet User benützt, was vor allem an der unzureichenden, verwirrenden Umsetzung in den Standard-Browsern liegt ("Diskussionsgruppen", "News"). An der Art und Weise, wie der ISP seinen Newsserver pflegt, kann man viel über die Qualität und die Einstellung des Providers herausfinden. Für technisch Interessierte: So sieht ein ordentlicher Newsserver aus (es ist jener des kommerziellen Anbieters Hotgroups).
Falls sich jemand näher über das Usenet informieren will, hier kann er/sie sich bedienen: Informationen und Ressourcen zu den deutschsprachigen Newsgruppen. Anfänger sind in der Newsgruppe de.newusers.questions gut aufgehoben. Die folgenden Absätze sind stellenweise womöglich nur für Usenet-Insider verständlich.
Bis jetzt kam noch jeder der Artikel, die ich abschickte, innerhalb kürzester Zeit in den adressierten Newsgruppen an, soweit ich das über Usenet-Archive wie "Deja" bestätigt fand. Es scheinen dort in den Threads, an denen ich mich beteilige (nicht nur at.- und de.-Gruppen, auch exotischere), keine Artikel auf, die ich nicht auch in der vom chello-Newsserver gefütterten Artikelliste meines Newsreaders Agent 1.6 vorfinden würde. In den letzten vier Wochen, seit ich chello-Kunde bin, war der Newsserver einmal für eine halbe Stunde komplett down, soweit ich das persönlich verfolgen konnte.
Gelegentliche winzige Fehler wie zum Beispiel gestern, als die Response-Zeit auf über drei Minuten anstieg, werden rasch (in ein paar Stunden) behoben. Auf Anfrage beim Helpdesk werden Newsgruppen, die eventuell nicht vorhanden sind, innerhalb von ein paar Minuten oder Stunden nachgeliefert.
Zur technischen Leistung von news.chello.at:
Die Beschickung des Newsservers entspricht der eines kommerziellen, gebührenpflichtigen und langsamen (da in den USA stationierten) Newsservers wie Remarq. Die Verweildauer für Textartikel beträgt drei bis vier Wochen, die von Binaries zwei bis drei Tage (an letzterem wird laut chello-Helpdesk gearbeitet, es sind da massive Investitionen notwendig, nur zu!).
Es gibt interne Newsgroups, die nicht an das internationale Usenet angeschlossen sind, um dieses nicht mit Broadband-Usenet zu belasten (DVD-ISO-Images ;-) Bei mir kommen hier große Binärdateien wie mp3-Files zu 96% komplett an.
Die Geschwindigkeit für Up- und Downloads beträgt die meiste Zeit konstant zwischen 300 und 400 kbps laut "NetMedic Pro", LAN-Überwachung, und laut meiner Stoppuhr. Wenn die Modemdrosselung mal nicht funktioniert, etwa das Doppelte bis Dreifache. Zwischen mir und news.chello.at liegen laut dem Programm "VisualRoute" 1-2 (selten 3-4) Millisekunden Delay und 2 Hops.
Wenn ich zum Beispiel auf einen Textbeitrag in Agents Artikelliste doppelklicke, um den Body (Inhalt, also der Text ohne Headers) downzuloaden, ist ein 250-Zeilen-Artikel komplett im Message-Fenster sicht- und editierbar, bevor ich noch die Maustaste loslassen kann. Und zwar ohne vorher womöglich das umständliche DFÜ-Netzwerk anwerfen zu müssen. Jederzeit. Pic-Binaries (z.B. aus alt.binaries.pictures.fine-art - derzeit lagert dort eine tolle Picasso-Sammlung) purzeln schneller herein, als sie ein flinker, mit Agents .../data/temp-Ordner synchronisierter Bildbetrachter wie zum Beispiel "ACDSee" anzeigen kann.
Ach, ja... Das mit den DVD-ISO-Images war ein kleiner Scherz von mir. Oktober! Oktober!
6. Muß alles einen Haken haben?
Wie auch schon woanders beschrieben, scheinen die Cable Gesellschaften und ihre ISPs die selbstverständlichen Dinge in ihrem Geschwindigkeitsrausch zu übersehen. So mußte ich davon hören, der chello-eMailserver sei nicht ganz auf Zack. Ebenso soll es mit dem Webspace bestellt sein, den man als Subscriber erhält. Für Neueinsteiger mag das ein Problem darstellen, mit ein wenig Interneterfahrung kann man sich da helfen. Auch habe ich den Verdacht, daß viele der Probleme von den Usern hausgemachter Natur sind. Wie gesagt, derzeit kommen sehr viele neue Kunden dazu, und viele davon haben eben noch keine jahrelange Erfahrung mit dem Netz der Netze. Da wächst eben eine neue Generation Netizens heran, für die das alles selbstverständlich ist. Ich finde das alles kaum erwähnenswert, auch das nicht, daß die Geschwindigkeit zur "Hauptverkehrszeit" zwischen 20 und 22 Uhr manchmal ein wenig nachläßt.
Dann ist da noch die offenbar heikle Frage einer Begrenzung der Menge an Daten, die über den Account geschickt werden dürfen. Vor mehreren Jahren war eine offizielle Diskussion darüber im Gange. Ein 100 MB Limit pro Monat war im Gespräch, wurde aber nie eingeführt. Auf meinem Vertrag, den ich vor einem Monat unterschrieb, steht für meine Subscription "WebSurfer" davon nichts, - ich habe aber all das Kleingedruckte noch nicht gelesen, muß ich gestehen. Im Usenet gibt es Gerüchte, man bekäme ab einer gewissen Übertragungsmenge einen Brief von chello, in dem - bei Androhung einer Kündigung des Anschlusses - zum Upgrade auf die nächste Tarifstufe aufgefordert werde. Meine persönlichen Bekannten, die schon länger einen Account haben, bekamen so einen Schrieb allerdings noch nicht zu Gesicht. Vielleicht betraf das einen Studenten. Es gibt verbilligte Studenten-Accounts mit limitierter Übertragungsmenge und teurere mit gestaffelten Preisen, auch solche mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten. Tarifstufe "LAN Connect": Bandbreite (down-/upstream) 2048 / 64-2048 kbps.
Auf der chello-Website steht (ich glaube, erst seit gestern) im Tarifblatt (dieser Link, der vor dieser Klammer steht, wurde heute, am 9. Oktober 1999 von mir in die vorliegende Webseite eingefügt und mag zum Zeitpunkt der Lektüre dieses Artikels nicht mehr Gültigkeit haben) für "TeleWeb WebSurfer" bei "Inkludiertes Datenvolumen:" - "unlimitiert" und "fair use", ein nicht näher spezifizierter Begriff. Vielleicht ist damit die Drosselung des Modems gemeint. Unter den Usern schwirren aber auch geheimnisvolle Gerüchte herum, die Anweisung des "call-centers" liege bei 1 GB pro Monat, "...und daß sie das nie sagen dürfen".
Das klingt vielleicht nach viel, aber wenn man Web-TV 24 Stunden pro Tag eingeschaltet läßt und vielleicht sogar manchmal irrtümlich vergißt, es abzuschalten, wenn man das Haus verläßt (wie beim richtigen Fernseher), dann kommt - glaube ich - doch so einiges zusammen.
The Cable Guy sagte mir bei der Installation in meinen Räumlichkeiten vor Zeugen bei der Vorlage des Vetrages zur Unterschrift auf meine deutliche Frage: "Kein Limit." Serverdienste sind jedenfalls ausdrücklich (bis auf ein paar Ausnahmen, zum Beispiel Netzwerk-Spiele) in meiner Tarifklasse verboten, eigentlich dürfte man kein privates LAN an den Computer anschließen, der am chello-Internet hängt. Dann gibt es wieder unbestätigte Meldungen, daß keiner was dagegen habe, wenn man mal vom zweiten Computer aus surfe, solange man damit keinen Mißbrauch betreibe.
Wenn's schon sein muß, dann bereiten mir persönlich Fragen um die Sicherheit der Privatsphäre viel mehr Sorgen, wenn man über Cable oder DSL stets online ist. Auch darüber steht viel Interessantes in Simson Garfinkels Artikel. Dazu gibt es die neue und aktuelle Webseite Sicherheit im Cable Netzwerk - Zehn Gebote für den Schutz Deiner elektronischen Privatsphäre im Internet (speziell für Kabelmodem und xDSL). Sie entstand in Zusammenarbeit mit Usern, die schon länger das Cable-Netz nutzen. Die angeführten Tips und Vorgehensweisen werden Newbies und Umsteigern, die an das High-Speed Broadband Internet über Cable Modem oder xDSL angeschlossen sind, von erfahreneren Usern (ebenfalls vorwiegend Privatkunden) mit bestem Wissen und Gewissen empfohlen, vielleicht ist aber auch etwas für Security-Profis dabei, ohne deren dankenswerte Mithilfe diese Seite nicht zustandegekommen wäre.
Ansonsten ist es sicher ein wenig ärgerlich, wenn das Internet vielleicht mal für ein paar Stunden ausfällt; aber es kann auch ganz heilsam sein, davon mal ein wenig Abstand zu nehmen und die Lage frisch zu überdenken. Brauche ich das überhaupt? Hatte ich früher bei Gottschalk nicht auch ein Leben?
7. Zukunftsmusik
Meine Ansage: Cable und/oder DSL für alle zum Nulltarif, und schon geht's aufwärts mit der Wirtschaft, wie es noch keiner für möglich gehalten hätte. Gleichzeitig würde Heimarbeit forciert, und man könnte 30% des Nahverkehrsaufkommens und an weiterer Peripherie wie Kindergärten sparen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Regierungen wollen das Volk mit diesen enormen Online-Gebühren und schlechten Verbindungen blöde halten. Früher verbrannte man halt Bücher...
Hoffentlich bleibt die Qualität meiner neuen Cable-Internetanbindung auch nach Ablauf des Probemonats so ausgezeichnet ;-)
Ich freue mich schon darauf, in ein paar Jahren DVD-Video und von mir aus auch DVD-Netz-Games in unverfälschter Qualität so zuverlässig und rasch weltweit übertragen zu können.
22.2.2000, Ergänzung:
Bin nun - nach fünf Monaten High-Speed-Internet - soweit noch immer recht zufrieden. Benütze inzwischen auch das Voice-Telefon (Priority), funktioniert einwandfrei. Es gab allerdings einmal einen achtstündigen und etwa fünf ein- bis zweistündige Ausfälle des kompletten I-Net-Services und einmal (vor kurzem) einen Ausfall des eMail-Services (mit Verlust von Mails) von drei Tagen. Wegen Letzterem wurde mir eine Monatsgebühr gutgeschrieben. Geht OK für mich.
Die Downloadgeschwindigkeit beträgt nun zuverlässig 37 kB/sec, auch von Servern in Übersee. In den Abendstunden sinkt diese Geschwindigkeit manchmal auf etwa die Hälfte. Es war neulich ein "Modem Patch" in Umlauf, der die Upload-Geschwindigkeit vervielfachte (nicht selbst getestet). Wurde inzwischen mit einem "Gegen-Patch" seitens des Providers (angeblich?) unwirksam gemacht. Story der ORF-FutureZone hierzu.
Ich habe mal auf einer anderen Webseite eine Umfrage unter den chello-Kunden durchgeführt, Ergebnisse hier, recht interessant (siehe bitte "Wie gut ist chello?"). Es gibt dort auch eine vergleichende Umfrage zur Qualität der High-Speed-Anbieter in Österreich.
Die Sicherheitsprobleme sind nach wie vor auffällig. An "guten Wochenenden" meldet mir meine Firewall bis zu fünfzig (!) Trojan-Connect-Versuche! Hier eine kleine Geschichte dazu. Sehr interessant und differenziert auch der Artikel Einer von vier PCs mit Breitband-Internet für Hacker offen. Unbedingt die dazugehörige Webseite studieren! (Siehe bitte auch den Hinweis unten.)
1.4.2000, Ergänzung:
Eigentlich fällt es nur auf, wenn etwas nicht geht. Vor zwei Wochen funktionierte (laut Telekabel/chello-Newsgruppen) im Süden Wiens wenig bis nichts, vor ein paar Tagen hatte ich hier Probleme (Center Nordost, fast durchgehend 48 Stunden lang extrem langsame Downloads von allen Servern, WWW, eMail, News, 0,5-1 kB/sec). Seitdem ist alles wieder in Ordnung, auch in den Abendstunden geht es wieder schneller.
Vom amerikanischen "Wired"-Magazin empfohlener Artikel von Simson Garfinkel, "Cable Modems oder DSL, - was ist besser?". September 1999. Im letzten Drittel geht es auch um Aspekte der Sicherheit.
Sicherheit im Kabelnetzwerk. Zehn Gebote für die Sicherheit der elektronischen Privatsphäre im Cable Network (Internet-Zugang via Telekabel/chello). Der Inhalt dieser Webseite wurde mit Hilfe von erfahreneren Usern zusammengestellt und so formuliert, daß auch High-Speed-Newbies die Tips und Vorgehensweisen nachvollziehen können.
Neu: Österreichisches ADSL-Forum. Hier gibt es Infos und Links zu ADSL, der Konkurrenz von Telekabel/chello als High-Speed Internet Anbieter. In der Presseschau stehen viele Artikel zu Kabel und ADSL.
Chello Broadband gibt Europas erste Studie über die Verwendung von Breitband-Internet bekannt
Artikel aus den Yahoo-Finanzen: »Chello broadband internet verändert die Internet-Erfahrung der Anwender - Anwender von chello broadband internet verbringen doppelt soviel Zeit online und gehen öfter ins Internet - broadband internet ist ein Bestandteil des täglichen Lebens der Anwender von chello - Nachfrage für Anwendungen der zweiten Generation und umfassendere, tiefere Breitband-Inhalte - Abonnenten von chello broadband haben über 30% mehr Anwender pro Haushalt...«
Hier noch ein paar Zeilen eines chello-Kunden, der nicht ganz so zufrieden ist; – Wolfgang postet eine zusammenfassende Momentaufnahme der Situation mit ein paar interessanten historischen Rückblicken
in eine Usenet-Newsgroup:
From: Wolfgang Berger
Newsgroups: telekabel.internet
Subject: Re:
Wird sich Chello nun doch bessern??
Message-ID: <lokkfs88i6jnrb3k6ipdl2c9ds6nfut3m8@4ax.com>
Date: Sun, 16 Apr 2000 23:54:52 GMTJemand schrieb: »Die Performanceleistung - das darf hier ruhig mal festgestellt werden - ging sehr wohl wieder hoch. Zumindest bei mir, aber ich gehe davon aus, dass ich nicht der einzige bin, bei dem das so ist.« Kann ich fuer mein Winkerl hier in Wien Wieden auch festhalten. Ein paar Tage nach der Aussage von Chello bzgl. Arp-Update gings bei mir auch wieder schlagartig besser.
Das Tragische an der Geschichte ist leider auch, dasz man sich ja schon bei einer winzigen Besserung des Systems wieder wie im Siebenten Himmel fuehlt. Dabei hats niemals wieder die Qualitaet von Anno dazumals erreicht. Zu irgendeinem Zeitpunkt funktioniert der Anschlusz nicht mehr, Besserungen dauern (meist zu lange), bis sie eintreten, erreichen aber nicht mehr den Level von davor :( Aehnlichkeiten zum Benzinpreis (lange wartet man nach einer Verbilligung des Rohoelpreises auf Weitergabe des Preisvorteils an den Kunden - irgendwann gibt es dann eine leichte Preissenkung, um diese kurz darauf zur Absicherung der eigenen Gewinne wiederum kraeftiger zu erhoehen) sind durchaus gegeben. Was es aber damit auf sich hat, keiiiine Ahnung
Ich, seit Mai 98 dabei, denke mit Wehmut an die gute, alte Zeit zurueck. Speed gabs im Ueberflusz (allerdings mit der 300/64kb-Obergrenze, aber OK fuer den Preis) und ziemlich zuverlaessig sowohl im Inter- als auch im Usenet. Mei war des a Freud mit 5-7 Agents gleichzeitig zu saugen, Webradio zu hoeren und so nebenbei vernuenftig und vor allem schnell (ohne Proxy) zu surfen.
Nach div. Verschlimm-Besserungen, wahrscheinlich auch durch die grosze Anzahl neuer Kunden und dem entsprechenden Fehlverhalten oder -einschaetzungen seitens TK hervorgerufen, wie zB Maillimit betreffend Box- und Mailgroesze, Limitierung der Anzahl der nntp-Verbindungen, hoher Packetloss im TK-Netz und dadurch viele viele Timeouts (die teilweise nicht einmal durch div. Agenttools ausgeglichen/ueberbrueckt werden konnten), schlechte Newbie-Aufklaerung, langsames http, und und und. Die beiden ersten Punkte sind nicht so tragisch, Mails sollten sowieso nicht zum Binaries Verschicken verwendet werden und aktive Newsserver-Verbindungen brauch ich auch selten mehr als 3 (wenn ueberhaupt, inkl. dl/ul) bzw kann man in gewissem Rahmen auch sein persoehnliches Netz-Verhalten entsprechen anpassen/aendern.
So, und dann kam Ende Jaenner 2k - fuer mich der schlimmste Knackpunkt als Telewebber (ausgenommen des tagelangen Totalausfalls von ...). Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich untertags ab ca. 10:00 bis 01:00 mit einem Task einen Speed von ~25kB vom Newsserver erreichen, die restliche Zeit durchwegs mit vollen 37kB. Allerdings konnte ich dann mit einem 2. Agent-Task auch auf die 37kB kommen. Ditto auch bei FTP, zB gd.tuwien.ac.at. Und das Beste daran, Surfen in Echtzeit nebenbei war auch noch moeglich. Fuer mich heiszt das, ich konnte die 300kb ausnutzen. Die beiden Agents haben sich die DL-Bandbreite schoen geteilt und beim Surfen zwischendurch muszte ich trotzdem nicht minutenlang auf den Seitenaufbau warten. Im Gegenteil, Surfen ging zuegig schnell, sofern die entsprechenden Server mitspielten. Und wenn ich mir in dieser Situation DU-Meter betrachtete, konnte ich immer einen schoenen, gleichmaeszigen roten Balken bei 30-37kB erkennen.
Seit Ende Jaenner eben kann ich nur mehr mit einem Task saugen, bei zweien haengt trotzdem nur einer "In der Leitung". Irgend jemand in der NG hat den DU-Meter-Ausschlag damals als "igelig" charakterisiert. Dh, DU-Meter zeigte nur mehr Spitzen an, eine Berg- und Talfahrt des Speed, die auch nicht mehr zB durch einen 2. Agent annaehernd in eine lineare Speed-Anzeige gebracht werden konnte. Das Abarbeiten der DL-Auftraege scheint nur mehr seriell und nicht mehr parallel zu funktionieren :(( Und dann komm ja nicht noch auf die seltsame Idee, vielleicht gleichzeitig auch noch im www nach neuen Treibern, interessanten Homepages oder sonstigen Infos zu suchen, sprich surfen zu wollen. Um das vernuenftig erledigen zu koennen, musz ich alle dl beenden, nntp wie ftp. Muehsam und enttaeuschend. Hab ich mir also und sozusagen "den Igel eingefahren ..."
Btw, jetzige mir von DU-Meter angezeigten Werte stimmen dadurch nicht mehr mit den vergleichsweise errechneten Werten ueberein. Fuer den DL von 15MB brauchte ich frueher ~7min (was auch rechnerisch hinkommt), DU zeigte linear ca 37kB. Gleiches Beispiel heute: Dauer = ~30min und mehr (errechnet solltens ca 11min sein) bei DU-maeszigem Schnitt von ~25kB. Da kommt wieder der Igel ins Spiel ....
Heutige 25kB haben nicht mehr den "Wert" damaliger 25kB. Inflation? Ick wees schon, da gehts um eine Durchschnittsangabe. Aber bitte nicht darauf vergessen wenn hier von div. Speedangaben anderer zu lesen ist.
Eines noch zum Schlusz: Was liese sich alles mit geschaetzten ATS 25.000.000.-/Monat fuer "Seine" Kunden alles anstellen (Milchmaedchenrechnung 50.000 Kunden x ATS 590.-). Aber, nicht umsonst sind die Telewebber von diversen Mus(s)elmanen einmal als "Goldene Kuehe" bezeichnet worden ...